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FLIEG, GEDANKE, FLIEG...

Haben Sie mal Lust, sich den Kopf Ihrer besten Freundin aufzusetzen oder mit Indianerfedern in sechs verschiedenen Farben zu denken?
Dann werden Sie bei den folgenden Übungen viel Spaß haben! Ihrer Kreativität und Gedankenfliegerei sind keine Grenzen gesetzt!

Doch zunächst möchte ich Ihnen die einfachste Form einer Aufstellung mit so genannten Bodenankern vorstellen. Entwickelt haben sie Eva Madelung und Barbara Innecken*. Sie brauchen dazu ein paar Farbstifte, zwei Blatt Papier (am besten im A3-Format) und ein Anliegen, eine Fragestellung. Jetzt versuchen Sie, mit Ihrer nicht dominanten Hand intuitiv ein Bild Ihres Anliegens zu malen; nehmen Sie es in beide Hände und legen Sie es an einem für Sie gerade stimmigen Platz auf dem Boden aus.
Jetzt bestimmen Sie in einiger Entfernung dazu einen Platz für das andere, leere Blatt und legen es ebenfalls aus. Dieses Blatt dient so zu sagen als neutrale Außenposition. Prüfen Sie nochmals, ob der Abstand zwischen den beiden Blättern (Bodenankern) für Sie passt. Jetzt stellen Sie sich auf das Anliegen-Blatt, schließen Ihre Augen und nehmen Ihre körperlichen und emotionalen Reaktionen wahr. Was fühlen Sie, wie ist Ihre Haltung, Ihr Stand, Ihre Atmung?
Jetzt wechseln Sie auf die neutrale Außenposition. Was ist auf diesem Platz anders, was ist gleich? Wie sieht der neutrale Beobachter das Anliegen von diesem Platz aus?
Dann kehren Sie wieder auf Ihr Anliegen zurück. Achten Sie wiederum auf Haltung, Stand, Atmung, Gefühle. Wie empfinden Sie Ihr Anliegen jetzt? Was hat sich verändert, was ist gleich geblieben?
Stellen Sie sich noch einmal auf die Außenposition und nehmen Sie die Unterschiede wahr. Was können Sie der Person, die das Anliegen hat, mitteilen? Haben Sie einen Ratschlag, eine Einsicht, eine Empfehlung für diese Person?

Das Entscheidende bei dieser Übung ist, dass Sie sich mit Ihrem Anliegen aus einem Abstand als „neutraler Beobachter“ wahrnehmen können. Diese Sicht von außen verhilft uns oft zu einer erstaunlichen Veränderung unserer bisherigen Sichtweise. Das neutrale Blatt sollte weit genug entfernt vom Blatt mit dem Anliegen positioniert werden, um den Blick von außen auch wirklich zu ermöglichen. Wichtig ist auch, dass Sie sprachlich ausdrücken, dass Sie aus den Augen einer anderen Person auf sich selbst schauen. Als neutraler Beobachter sprechen Sie von sich in der dritten Person: „Ich würde Herrn/Frau.....raten....“.

* In ihrem faszinierenden Buch "Im Bilde sein" beschäftigen sich die beiden Autorinnen u.a. mit der vielfältigen Arbeit mit Bodenankern.

NIMM EINFACH EINEN ANDEREN KOPF

Auch diese Übung erleichtert es Ihnen, durch einen Perspektivenwechsel eigene Sichtweisen zu erweitern und über den berühmten eigenen Tellerrand hinauszublicken. Das kleine Experiment wurde von Vera F. Birkenbihl ersonnen, und ich finde es schlicht genial. Es kostet Sie eine Viertelstunde: 5 Minuten Vorbereitung – 5 Minuten Durchführung – 5 Minuten schriftliche Reflexion.
Am besten, Sie legen sich einen Timer zurecht, der Ihnen 5 Minuten anzeigen kann, ohne dass Sie ständig auf Ihre Uhr schielen müssen.
Jetzt wählen Sie ein Gebiet, mit dem Sie sich häufig schwer tun und auf dem Sie ganz einfach gerne besser wären. Schreiben Sie Ihr Thema auf.

Jetzt denken Sie an eine Person z.B. aus Ihrem Freundeskreis, die Ihnen bei diesem Thema ein Vorbild ist. Notieren Sie sich den Namen dieser Person.
Setzen Sie sich nun den Kopf dieser Person auf (keine Angst, Sie tun niemandem weh damit!) und stellen Sie sich vor, wie diese Person das betreffende Thema angehen würde. Denken Sie 5 Minuten mit diesem „fremden“ Kopf.

Abschließend halten Sie schriftlich fest, was Ihnen so alles durch diese fremden Gehirnwindungen geströmt ist.

DIE 6 DENKFEDERN

Sicherlich ist Ihnen das Phänomen aus den "brainstormings" in Ihrem Arbeitsteam bestens bekannt: Die Einfälle wirbeln chaotisch durcheinander, kommen aus allen Himmelsrichtungen. In solchen Fällen macht unser Gehirn nichts anderes, als alle Tanks seines unerschöpflichen Reservoirs gleichzeitig anzuzapfen - und dies auch noch auf mehreren Ebenen (wie z.B. Gefühle, Logik, Wissen). Sitzen dann noch mehrere Denker beisammen und lassen es "sprudeln", ist das Chaos perfekt. Die folgende Übung basiert auf den "Thinking Hats" von Eduard de Bono und soll uns anregen, die eben beschriebenen Denkprozesse zu entwirren und nur jeweils einen Tank als Inspirationsquelle zu nutzen. Jede Feder/Farbe repräsentiert dabei einen bestimmten Denkstil. Die Rollenspiel - Technik eignet sich hervorragend für Teams, wenn es beispielsweise um Ideenfindung oder um festgefahrene Positionen geht. Aber Sie können sich natürlich auch alleine daran versuchen.

Benötigt werden 6 Federn in den Farben weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau (die gibts in jedem Spielwarengeschäft) – und natürlich ein Anliegen, ein Problem, eine Fragestellung. Die Federn werden unter den Teilnehmern verteilt. Jeder steckt sich eine Feder an; nach "Gebrauch" werden sie reihum weitergegeben. Wichtig ist, dass jeder einmal im Besitz jeder Farbe ist und dabei in seinen Äußerungen ausschließlich von der jeweiligen farblichen Bedeutung ausgeht. Die Reihenfolge weiß, rot, schwarz, gelb, grün und blau ist verbindlich.

Die 6 Farben bedeuten:

Weiß: steht für Neutralität, aber auch für Zahlen und Fakten. Hier zählen nur objektive Informationen und nachweisbare Daten; persönliche Meinungen und Interpretationen sind unzulässig. Frage: Was wissen wir?

Rot: steht für Gefühle, Intuition. Der Träger dieser Feder zeigt seine Emotionen offen und darf aus dem Bauch heraus agieren, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Frage: Was spüren wir?

Schwarz: Der Träger dieser Feder sieht als Advocatus Diaboli im wahrsten Sinne überall "schwarz". Er nörgelt, übt Kritik, spricht die Gefahren und Risiken an, findet Einwände und steht auf der Euphoriebremse. Frage: Was spricht dagegen?

Gelb: Diese Feder steht für Sonnenschein. Ihr Träger denkt entsprechend positiv und zuversichtlich. Konstruktive Vorschläge stehen im Vordergrund; Visionen und Hoffnungen sind erlaubt, sofern sie nicht zu euphorisch geäußert werden (dies bleibt der roten Feder vorbehalten). Frage: Was spricht dafür?

Grün: Die Farbe steht für üppige Vegetation und Wachstum. Der Träger dieser Feder agiert schöpferisch und sucht spielerisch nach neuen Ideen und Alternativen. Es ist die eigentliche kreative Feder. Frage: Wie könnte es anders gehen?

Blau: Blau steht für Himmel und übergeordnete Sichtweise. Ihr Träger sortiert und verknüpft das bisher Vorgebrachte. Mit diesen Eigenschaften fungiert ihr Träger sozusagen als Sitzungsleiter. Frage: Wie wollen wir es strukturieren?

 

Und? Wie ist es Ihnen bei dieser Gedankenfliegerei ergangen? Haben Sie alle auch noch so ver-rückten Ideen zu Papier gebracht? Die Hauptsache ist, dass Sie Spaß dabei hatten, Ihr Denken einmal ganz gezielt in neue Bahnen zu lenken.

Ich freue mich übrigens, wenn Sie mir die Eindrücke und Resultate Ihrer geistigen Höhenflüge mitteilen: creative-coaching@aon.at.

 

 
Dr. Peter Stalder | Goethestrasse 9 | A-8010 Graz | +43 316 32 66 52 | +43 676 677 3008 | creative-coaching@aon.at